Erst Feuer und Flamme, dann ausgebrannt.
Das Burnout-Syndrom.
Wörtlich genommen bezeichnet das engl. Wort Burnout Ausbrennen, ähnlich einer Öllampe, die verlischt, wenn das Brennmittel verbraucht ist. Gebe ich in den Computer diesen Begriff als Suchwort ein und möchte Bilder sehen, erhalte ich wiederholt Darstellungen, wo
ein Motorradfahrer den Reifen seiner Maschine verschleißt, indem er bei angezogener Handbremse Vollgas gibt, so dass das Hinterrad durchdreht, der Reifen sich stark erhitzt und raucht oder gar Feuer fängt und verbrennt. Das Fahrzeug steht auf der Stelle und der Reifen fährt sich ab. In diesen Bildern paaren sich eine idealistische Motivation mit hoher Leistungsbereitschaft und ungünstige Umstände.
Ursprünglich benannte der Begriff die seelische Erschöpfung im Zusammenhang mit dem besonderen Belastungspotential in den sozialen Teams der USA, setzte sich dann aber international durch. Inzwischen ist dieses Phänomen auch in anderen Berufsgruppen, z.B. bei Forschungsmitarbeitern, Verkäufern, Sportlern, Politikern und Managern ebenso wie bei Studenten, Hausfrauen, arbeitslosen Menschen, uvm. zu beobachten und wird in den Medien publiziert, nachdem einige Fälle unter Prominenten ähnlich interpretiert wurden.
Burnout ist ein Zustand emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung, der von zuviel Arbeit und Stress und zuwenig Erholung herrührt. Die Betroffenen sind in ein inneres Ungleichgewicht geraten und haben die Fähigkeit verloren, ihre Leistungsfähigkeit zu regenerieren, wirken gefühllos und abgestumpft. Burnout kann als ein Endzustand einer Entwicklungslinie bezeichnet werden, welche mit idealistischer Begeisterung beginnt und über frustrierende Erlebnisse in Desillusionierung und Abgestumpftheit, körperliche Beschwerden und Depression oder Aggressivität und einer erhöhten Suchtgefährdung mündet.
Am Anfang steht ein idealistisches Ziel und der Wille, dieses Ziel zu erreichen. Die Betroffenen bewegen sich in Überengagement und arbeiten nahezu pausenlos, fühlen sich unentbehrlich und vollkommen. Es werden Freizeitaktivitäten reduziert, auf Entspannungs- und Erholungsphasen wird verzichtet. Die Personen verleugnen ihre eigenen Bedürfnisse wie dem Wunsch nach Erholung, Geselligkeit, Intimität oder Zeit für sich selbst. Ebenso werden die Gefühle wie Wut, Druck, Frustration, Angst vor Arbeitslosigkeit, Traurigkeit über die Vereinsamung aufgrund von Arbeitsüberforderung usw. verdrängt, um die Rolle perfekt durchzuhalten. Immer ist etwas anders wichtiger, der Job, die Kinder oder die Anerkennung. Misserfolge werden ignoriert und es ist möglich, dass entspannende Momente in übermäßigem Essen, Alkohol, Drogen, Kaffee oder Internet- und Computeraktivitäten gesucht werden.
Irgendwann bröckelt die überfordernde Leistungsfassade und es wird klar, dass Anspruch und Erfolgserlebnisse auseinanderklaffen, die „Latte zu hoch hängt“. Chronische Müdigkeit (erste Warnsignale) und Schuldzuweisungen an sich selbst und andere (depressives und aggressives Verhalten) treten auf. Die Betroffenen fühlen sich häufiger ausgenutzt und vernachlässigen die Familie, die Partner und Freunde.
Dauern die Probleme verminderter Zufriedenheit und wachsender Gefühle der Benachteiligung über längere Zeit an, münden sie in einen Leistungsabbau. Es wächst eine Gleichgültigkeit und ein Gefühl der inneren Leere. Zu den Symptomen einer depressiven Entwicklung (Kon-
zentrationsstörungen, Erschöpfung, Angstzustände) gesellen sich körperliche Leiden (chronische Rücken- und Gelenkschmerzen, Herz-Kreislaufprobleme, Schlaflosigkeit, erhöhte Anfälligkeit für Infektionen). Ebenso steigt die Gefahr von Alkoholismus und Drogenmissbrauch.
In der Abbauphase erfasst der Burnout auch die privaten Beziehungen und vertieft somit die Krise, da die inzwischen wenigen Erholungsphasen noch weiter wegfallen. Die Betroffenen ziehen sich aus Kontakten und Freundschaften zurück, unternehmen nichts, wenn sich ein Partner trennt oder scheiden lässt, sie vereinsamen.
Unterstützende Faktoren für die Entwicklung in den Burnout können sein:
Perfektionsstreben: sich zu hohe Ziele setzen und Probleme haben, Kompromisse einzugehen
Persönlichkeitsmerkmale wie Ängstlichkeit, Nervosität, Empfindlichkeit, Angespanntheit sind bei „Ausbrennern“ auffällig
Helfersyndrom
krankhafter Ehrgeiz
mangelnde Bestätigung und Anerkennung
ADHS-Betroffene sind einer erhöhten Burnout-Gefahr ausgesetzt
wenn Handlungsabläufe nicht selbstbestimmt werden können und andere zu stark kontrollieren
unklare Ziel- und Erfolgskriterien
Überforderung durch Zeit- und Verantwortungsdruck
Wenn Sie bei sich bemerken, dass Sie „Burnout-gefährdet“ sind oder die beschriebenen Symptome oder Verhaltensweisen bei sich erkennen, was wäre für Sie der nächste Schritt? Welche Möglichkeiten hätten Sie, um sich wieder in ein inneres Gleichgewicht zu bringen?
Diese Faktoren sind allein meist schwer zu verändern. Jedoch kann in vielen Fällen ein externer Berater/Coach als Unterstützung herangezogen werden, um neue Strategien für den Umgang mit sich und anderen zu erarbeiten. Als allererstes hören Sie bitte auf Ihre Gefühle und Bedürfnisse und nehmen Sie sich mit diesen ernst. Wenn Sie sich isoliert und einsam fühlen, aktivieren Sie Beziehungen - gehen Sie in Kontakt. Melden Sie sich bei Ihren FreundInnen. Hören Sie in sich hinein, was müsste anders sein, damit Sie sich in Ihrem Leben zufriedener fühlen? Legen Sie die innere Peitsche aus der Hand und gehen Sie etwas sanfter mit sich um. Hinterfragen Sie sich bitte in Ihren Erwartungen und Ansprüchen an sich selbst und andere. Sie müssen es nicht alleine schaffen. Wenn Sie schon zu tief in einem Burnout-Syndrom feststecken, suchen Sie sich einen Coach oder Therapeuten, der Sie unterstützt. Prüfen Sie, welche der Aufgaben Sie delegieren können, wie Sie sich unterstützen lassen werden. Bestehen Sie in allen Lebensbereichen auf Ihr persönliches Tempo und gehen Sie achtsam mit sich um. Denken Sie daran, „Nur wer arbeitet wie ein Tier, sieht irgendwann tierisch alt aus.“
Geben Sie sich mit Ihrer Gesundheit und Ihrem Wohlbefinden Priorität. Und lachen Sie bitte ausgiebig.
Edgar J. Nemes – „Grenzen spüren, setzen, halten!“
Trainer für Selbstbehauptung und Kommunikation
Coaching. Hypnose. Psychologische Beratung
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