Herbststürme
Im Scheinwerferlicht des Sonnenumlaufs können wir uns einem Thema nach dem anderen widmen: Von Widder bis Fische. Unser Herbst beginnt mit der Waage, dem ersten Zeichen, das im Tierkreis für den Ich-Abbau zuständig ist. Waage nun lehrt Gerechtigkeit und Ausgleich. Den größten Abrieb erfahren unsere Egos in Beziehungen, sie sind die beste Lernfläche, um sich im Spiegel des Gegenüber zu erkennen, über sich selbst hinauszuwachsen, Kompromisse zu finden, Widersprüche zu integrieren, toleranter zu werden und schlichtweg liebevoller und geschickter im Umgang mit sich selbst und den anderen.
Dann folgt das Zeichen Skorpion.
Dieses wird dringend gebraucht, weil wir uns zwar um Integration bemühen, diese aber längst nicht immer leisten können. Zu sehr schmerzt es oft in Beziehungen, zu sehr ängstigen andere, zu sehr erinnert eine Begegnung, die im Jetzt geschieht, an schlimme, frühere Zeiten, oft ohne dass uns das und dem Gegenüber bewusst wird. Munter projizieren wird alte Bilder auf neue Menschen. Skorpion lehrt, dass eine Integration der ungeliebten, der Schatten-Anteile, nur gelingt, wenn wir uns der ganzen Bandbreite unserer Gefühle und Erinnerungen stellen, wenn wir die Angst vor unserem Innenleben und die Angst vor den anderen verlieren. Dazu schickt er uns durch diverse Tunnel und lässt uns so manche Tode sterben. Gerade so wie in der Natur die Herbststürme die letzten Blätter von den Bäumen fegen, legen wir eine Maske nach der anderen ab und kommen zu unserer ungeschminkten Wahrheit. Zu dieser Begegnung fühlt sich Skorpion zutiefst verpflichtet. Das Graben nach den Leichen im Keller, das Suchen nach dem, was die Atmosphäre vergiftet, was Grundlage der Projektion ist, ist manches Mal zwar schrecklich, hat aber oft auch etwas so Faszinierendes, dass wir das Ziel aus den Augen verlieren: einen Schatz zu finden unter dem Mist. Dies ist der unzerstörbare Schatz der Egolosigkeit. Dieser Schatz wird mit jedem Mal mehr gehoben, wo wir loslassen können. Wir können den Fluss des Lebens nicht lenken, wir können ihm aber immer mehr vertrauen und uns immer mehr dem im tiefsten Sein fließenden Energiestrom hingeben. Diesen freien Energiefluss strebt Skorpion an. Angstfreiheit strebt er an, die nackte Begegnung. Immer wieder erfahren wir uns auf der Suche nach Manipulation und Kontrolle über das Leben, die anderen, den nächsten Moment. Immer wieder erleben wir, dass wir aber gar nichts anderes tun können, als uns zu öffnen, bisherige Vorstellungen sterben zu lassen, ins Unbekannte hineinzugehen. Immer wieder geht es um den Tod. Skorpion treibt uns auf die Friedhöfe und der November ist nicht umsonst voller Totenfeste.
Aus ihrem Anlass können wir uns mit den Fragen befassen: Wer stirbt, wenn wir sterben? Was lehrt uns der Tod? Was ist bedeutsam angesichts des Todes? Und was geschieht mit uns nach dem Tod?
Die Angst vor dem Tod zu verlieren, heißt die Angst vor dem Leben zu verlieren, heißt es.
Und hier kommt die nachfolgende Schützeenergie ins Spiel.
Sie ist das Licht, das am Ende des Tunnels bereits sichtbar war – und es ist kein entgegenkommender ICE gewesen, was ja manch misstrauischer Skorpion in seiner Verzweiflung angenommen hatte. Nein, es ist das strahlende Licht der Lebendigkeit. Es ist göttliches Licht, das Licht das schon immer existiert hat in der Tiefe unseres Seins, grad so wie die Sonne auch in finstersten Herbsttagen mit grauen Regenstürmen immer noch am Himmel steht, obwohl man es fast nicht glauben kann.
Mit der Schützeenergie erheben wir uns. Schütze verbindet uns mit dem inneren Licht, der innewohnenden Weisheit. Er ist der innere Führer, die innere Meisterin, die weiß, was für uns gut ist, die uns zu diesem Licht geleiten kann, wenn wir es nur zulassen. Er ist die innere Stimme, die manches Mal einfach nur Inspiration braucht durch eine LehrerIn im Außen.