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Ihr Sommer

Stellen Sie sich einmal für Ihren Sommer 2008 folgendes vor: Sie würden nicht mehr an sich selbst herumnörgeln, sondern sich selbst ganz ungeniert toll finden. Sie würden nicht mehr unzufrieden, sondern stattdessen glücklich sein. Sie würden sich beim nächsten Problem nicht verzweifelt in die Ecke schmeißen, sondern stattdessen frische Luft schnappen. Sie würden bei der nächsten Niederlage genau wissen, dass es nur die Vorbereitung auf das größere Gelingen ist. Sie wären, wann immer nötig, der feuerspeiende Drache – anstatt das ängstliche Häschen. Sie würden dem Menschen, den Sie lieben, auch sagen, dass Sie ihn lieben. Sie würden den Menschen, die Ihnen nicht gut tun, keine Zeit mehr in Ihrem Leben einräumen. Sie würden das Bild, das Ihnen vorschwebt, einfach selber malen. Sie würden das essen, was Ihnen wirklich schmeckt. Sie würden das denken, was Sie weiter bringt. Sie würden die nächste gute Gelegenheit nicht vorbeistreichen lassen, sondern beim Schopfe packen. Sie wären nicht gewohnheitsmäßig frustriert, sondern rechneten immer mit dem Besten. In den Augen Ihres Gegenübers sähen Sie nicht Langeweile und Desinteresse, sondern Begeisterung und Zuneigung.

Jetzt denken Sie eventuell, das ist alles nur Wunschdenken und ohne jeglichen Realitätsbezug. Macht auch nichts, glauben Sie das ruhig, denn Sie sind frei zu denken, was immer Ihnen beliebt. Aber: wer oder was hindert Sie eigentlich daran, genau das zu denken, was Ihnen gut tut? Eine andere Frage ist: wie gut darf es Ihnen eigentlich gehen, bevor Ihnen das schlechte Gewissen mit dem Hammer vor den Kopf schlägt? Welchen Preis glauben Sie zahlen zu müssen für das Leben, das Sie sich wirklich wünschen? Sind Sie schon einmal auf die Idee gekommen, dass Ihnen gar nichts Schlimmes passiert, wenn Sie glücklich sind? Also: dass Sie nicht mittwochs um 13 Uhr eine dicke Rechnung zu begleichen haben, weil es Ihnen dienstags den ganzen Tag „unerhört“ gut ging.

Eine dicke Rechnung gilt es allerdings immer dann zu begleichen, wenn Sie so leben, wie es Ihnen eigentlich nicht entspricht. Wenn Sie Ihre Bedürfnisse und Wünsche verleugnen und sich selbst ständig zurücknehmen. Oder wenn Sie Dinge tun, die Sie eigentlich gar nicht tun wollen. Oder Worte sagen, die Sie gar nicht wirklich meinen. Oder Ihre eigenen Gefühle ignorieren obwohl Sie kurz davor sind, zu platzen. Das wird dann immer teuer. Die Währung, mit der Sie zu zahlen haben, ist ziemlich ungünstig. Je nachdem, was gerade ansteht, heißt das „Zahlungsmittel“ Verzweiflung, Depression oder –  topaktuell und hoch im Kurs – Burnout. Immer wieder beliebt die klassische Währung der psychosomatischen Reaktionen, von Migräne bis hin zur Neurodermitis. Alles weltweit akzeptierte Valuten für alle Arten von Selbstboykott. Wer so lebt, dass es ihm nicht gut tut, wird doppelt bestraft. Erstens in jeder einzelnen Minute, die er aktuell verlebt, und zweitens wegen der oben erwähnten Rechnungen, die früher oder später noch zusätzlich bezahlt werden müssen. Rein ökonomisch betrachtet, rentiert sich Unzufriedenheit nicht. Im Gegenteil: man landet immer im Soll und schreibt rote Zahlen. Und das nicht für irgendeine Firma, sondern für das eigene Leben.

Was sich dagegen immer lohnt, ist das zu tun, was Ihnen wirklich entspricht. Nehmen Sie Ihre Wünsche und Sehnsüchte ernst. Und ich empfehle Ihnen, sich mindestens einmal im Jahr in eine Hängematte zu legen. Wenn Sie keine haben, reicht es, dies gedanklich zu tun. Stellen Sie sich vor, Sie wären im hohen Alter und lägen dort leicht schaukelnd, um über Ihr Leben nachzudenken. An was möchten Sie sich mit Freude erinnern können? Was taten Sie wirklich gerne und mit ganzem Herzen? Was ist unerledigt geblieben? Wovon haben Sie geträumt, sich aber nie getraut, etwas dafür zu tun? Und welcher Mensch wären Sie eigentlich gerne geworden? Die Zeit in der Hängematte lohnt sich immer. Wer sich so fragt, solange er noch Konsequenzen daraus ziehen kann, hat Grund zur Freude. Und – Konsequenzen ziehen ist viel leichter, als Sie glauben. Oft bewirken kleinste Veränderungen im Alltag Großes für Ihr ganzes Leben. Gönnen Sie sich täglich fünf schöne Gedanken und seien Sie nicht erstaunt über das, was Ihnen nach einiger Zeit passieren wird.

Passieren kann Ihnen übrigens sehr viel. Leben ist und bleibt der gefährlichste aller Seinszustände. Und der Schönste. Ich wünsche Ihnen den Wagemut junger und die Weisheit alter Menschen und das selbstvergessene Lachen eines Kindes. Und – dass leichte Winde um Ihre ernsten Gedanken wehen. Schönes Wetter und eine Prise Salz auf Ihrer Haut. Ein stabiles Segelschiff und ein gutes Fernrohr, mit dem Sie Ihren Hafen sehen.

Ein schöner Sommer wartet auf Sie. Trauen Sie sich, auf Ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche einzugehen. Wer, wenn nicht Sie selbst, sollte sich um deren Umsetzung kümmern? Und außerdem – was könnte dabei schon Schlimmes passieren, außer das Sie glücklich werden?

Verena Ronnenberg
Heilpraktikerin für Psychotherapie

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