Nichts oder Nicht-Nichts?
MAHARAJ: „Ich kenne mich selbst, wie ich in Wirklichkeit bin. Ich bin weder der Körper noch der Verstand noch die mentalen Fähigkeiten. Ich bin jenseits von all diesen.“
FRAGE: „Sind Sie einfach nichts?“
MAHARAJ: „Jetzt seien Sie mal vernünftig. Selbst-verständlich bin ich, sogar sehr greifbar. Ich bin nur nicht das, wofür Sie mich halten. Das sagt Ihnen alles.“
FRAGE: „Es sagt mir gar nichts.“
MAHARAJ: „Weil es nicht ausgesprochen werden kann. Sie müssen Ihre eigene Erfahrung machen. Sie sind gewohnt, mit physischen und mentalen Dingen umzugehen, ich bin kein Ding, und auch Sie sind keins. Wir sind weder Materie noch Energie, weder Körper noch Verstand. Wenn Sie eine Ahnung von diesem wirklichen Sein bekommen haben, wird es Ihnen nicht schwer fallen, mich zu verstehen.“
[Sri Nisargadatta Maharaj – „Ich Bin“ – Kapitel 25]
Wenn die größte Illusion – „Ich bin der Körper“ und „Ich bin es, der denkt und handelt“ voll und ganz durchschaut worden ist, was bleibt dann von „mir“ übrig? Scheinbar erst einmal: nichts! Hier ist man nun an dem Punkt angelangt, an dem in tiefer Stille eine Art Selbstbeobachtung stattfinden muss – keineswegs in Form „psychologischer Spielchen und Analysen etc.“ –, sondern in dem man in dem verbliebenen Zustand des „Ich bin“ („reines [Bewusst-]Sein“, das hier ja unmöglich verschwunden sein kann) verweilt. Früher oder später entdeckt man dabei (oder immer mehr), dass Körper und Verstand völlig autonom denken und handeln. Denken und dessen Folge, das Handeln, geschehen und geschahen schon immer ohne „mein“ Zutun. Statt sich mit dem Körper/Verstand weiter zu identifizieren tritt die Beobachterrolle immer mehr in den Vordergrund, bis klar wird, dass Beobachtung/Wahrnehmung immer stattfindet. Was dann von „mir“ übrig bleibt, ist mit Worten nicht mehr beschreibbar.
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„Wenn Sie vom „Ich-bin-der-Körper“-Virus infiziert worden sind, dann entsteht ein komplettes Universum. Doch wenn Sie davon genug haben, dann entwickeln Sie phantastische Vorstellungen von Befreiung und stürzen sich in völlig sinnlose Handlungen. Sie konzentrieren sich, Sie meditieren, sie quälen Körper und Geist, Sie tun alle möglichen Dinge, die nicht notwendig sind, und dabei verpassen Sie das Wesentliche, die Eliminierung der Person.
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Die Person hat einen recht geringen Wert. Sie ist zutiefst in ihre eigenen Angelegenheiten verstrickt und hat keine Ahnung von ihrem wahren Sein. Bevor nicht das Beobachter-Bewusstsein im Hinblick auf die Person ins Spiel kommt und sie nicht zum Objekt der Beobachtung wird, anstatt das Subjekt zu sein, ist die Verwirklichung nicht möglich.
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Die Person selber wird nicht aus sich heraus einfach zum Beobachter. Das ist, als ob man von einer erloschenen Kerze erwartet, dass sie mit der Zeit anfängt zu brennen. Die Person kann auf immer und ewig in der Dunkelheit der Unwissenheit verharren, es sei denn, sie kommt mit der Flamme des Gewahrseins in Berührung.
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Die Person mag zwar bewusst sein, doch sie ist sich nicht gewahr, bewusst zu sein. Sie ist völlig damit identifiziert, was sie denkt, fühlt und erfährt. Die Dunkelheit, die dies beinhaltet, ist allein ihr eigenes Werk. Wird die Dunkelheit in Frage gestellt, dann löst sie sich auf.“
[Sri Nisargadatta Maharaj – „Ich Bin“ – Kapitel 77/78]
Es ist zu Beginn die Weigerung, sich (und die anderen) weiterhin als Person sehen oder verstehen zu wollen, die ein „neues“ Verstehen ermöglicht, nämlich: dass man nicht dieser Körper sein kann und dass Denken und Handeln nicht aufgrund „meines“ Willens geschehen (und damit nichts mit mir zu tun haben) – sie geschehen völlig automatisch aufgrund der akuten Umstände und Erinnerungen. Früher oder später wird es dann ein Erkennen („direktes Sehen“) geben, bei dem von „mir“ nichts mehr übrig bleibt. Die Frage „Wer bin ich (dann)?“ erscheint hier zum ersten Mal wirklich einen Sinn zu ergeben. Hier nun ist die Konzentration aus das ICH BIN (Verweilen im reinen Sein) - nicht auf die Worte oder Vorstellung davon - nötig, bis dieses „im reinen Sein sein“ (ICH BIN) seine Wirkung „entfaltet“. Hier nun verschwindet das gesamte Universum (das gesamte Bewusstsein) in diesem ICH BIN (irgendwie!). Was dann bleibt und was folgt, lässt dich nicht mehr wirklich in Worten erklären.
Hermann R. Lehner
Impulse … die dein Leben verändern
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