Die Göttliche Mutter
In
der westlichen Kultur kann man sich unter der göttlichen Mutter nur
bedingt etwas vorstellen. Am ehesten lässt sich diese mit
Marienerscheinungen vergleichen, auch Fatima ist vor allem Pilgern ein
Begriff.
Die
meisten Pilgerorte entstanden durch eben solche Erscheinungen, an denen
dann viele Heilungen und Wunder geschahen, so beispielsweise in
Lourdes, dem bekanntesten Pilgerort. Über die Bedeutung der göttlichen
Mutter und ihren Gemeinsamkeiten in verschiedenen Kulturen, Religionen
und Mythen möchte ich hier berichten.
In
früherer Zeit galt die göttliche Mutter als die Schöpferin des
Universums – die Erschafferin allen Seins. Dies zog sich durch fast
alle Religionen, von den Schamanen angefangen, die zwar häufig Männer
waren, aber immer eine starke Frau hinter sich hatten, um die
weiblichen Energien zu nutzen, bis ins Christentum mit der
Marienverehrung.
In
vielen Glaubensrichtungen war Gott weiblich oder hatte eine große
Bedeutung für die Schöpfung. Als Ishtar bei den Babyloniern, im
Zeitalter des Stieres (ca. 4000-2000 v. Chr.) wurde die große Mutter
verehrt, bis in die jüngere Zeit als Maria im Christentum, Al-Uzza im
Islam, Shakti im Hinduismus. Tiamat, Anat, Eva (hebräisch Hawwah),
Neith und Astarte sind einige Namen unter denen die göttliche Mutter
verehrt wurde, von den Ägyptern hin zum Judentum, die einige Namen und
Geschichten änderten und anpassten, wie auch das Christentum – worauf
viele alte Funde von Schriften hindeuten. Erst mit dem späteren
Christentum wurde das Patriarchat immer weiter durchgesetzt, als Kaiser
Konstantin (530 n.Chr.) in Rom alle Tempel von Göttinnen zerstören
ließ.
1946
wurden in Äthiopien gnostische Texte gefunden, die aus dem 2.-3.
Jahrhundert stammen, in denen man lesen kann: „Ich bin die Erste und
Letzte. Ich bin die Verehrte und Verachtete. Ich bin die Hure und die
Heilige. Ich bin die Ehefrau und die Jungfrau. Ich bin die Mutter und
die Tochter. Ich bin die Unfruchtbare und die Mutter vieler Söhne ...
ehrt mich“.
Die
Frau steht mit Ihrer Fähigkeit als Schöpferin, Gebärende von der Natur
der Sache aus als Erschafferin da, nicht der Mann. Beide Prinzipien,
weiblich und männlich, Yin und Yang bestehen mit wechselseitiger
Wirkung. Das Eine kann es nicht ohne das Andere geben. In alten
Zeichnungen aus Indien sind Shiva und Shakti als ein Wesen vereint
dargestellt, in einem Körper. Einer indischen Legende zufolge wurden
sie getrennt, um sich lebenslang in Liebe wieder zu verbinden. Das
männliche Prinzip ist die formlose Verkörperung des Göttlichen, während
das weibliche dem Göttlichen die Form gibt. Hieraus entsteht die
Dualität, die in letzter Konsequenz wieder in einem zusammenfließt. Der
indischen Lehre zur Folge gliederte sich die göttliche Ureinheit in
zwei Bereiche – männlich und weiblich. Das männliche Prinzip wird in
die Götter Brahma, Vishnu und Shiva – der Erschaffer, Erhalter und
Zerstörer eingeteilt. Gemeinsam in einer Erscheinung sind sie auch als
Dattatreya bekannt. Jedem Aufgabenbereich bzw. jedem göttlichen Prinzip
wird als Gottheit ein eigener Name gegeben. Über Geschichten vom Leben
dieser Götter wird dann die Schöpfung bzw. deren Aufgabe erklärt. Im
Christentum wurde das Weibliche auch nicht immer ausgeklammert. So hieß
es früher nicht „der Vater, der Sohn und der heilige Geist“, wo man
hinter dem heiligen Geist nur mit Mühe die Mutter bzw. das weibliche
Prinzip erkennen konnte, vielmehr hieß es: „Gott-Vater, Gott-Mutter und
das Kind der Liebe“, womit Christus gemeint war. Das weibliche Prinzip
steht für Weisheit, Liebe, Hingabe, was uns zur Erleuchtung und zur
Schau Gottes führen kann. Im Gegensatz dazu steht das männliche Prinzip
für Verstand, Wille und Macht. Beides ergänzt sich und führt so zur
materiellen Erschaffung, der Schöpfung – einer materiellen Umsetzung
des Geistes (männlich), der sich wiederum selber nicht materiell
ausdrücken kann. Daher gilt die Göttliche Mutter auch als Erschafferin
der Illusion, Maya genannt, in der wir leben. Illusion deshalb, weil
wir dem Ego verfallen sind, was nun darum kämpft möglichst lange und
gut in diesem Leben existieren zu können. So werden vor allem männliche
Prinzipien im Westen ausgelebt, worin es um Lebenserhalt, Macht,
Reichtum geht, losgelöst von der Vorstellung, dass es nach diesem Leben
noch etwas gäbe. Dabei war Wiedergeburt durchaus auch im Christentum in
den alten Lehren enthalten, nicht nur durch den Aufstieg Jesus
Christus. Erst einige Jahrhunderte nach Christus wurden diese Passagen
in der Bibel per Beschluss eines Konzils der Kirche gestrichen.
In
der ältesten gut überlieferten Religion, dem Hin-duismus, wird das
weibliche Prinzip gleichwertig dem männlichen angebetet. Beide werden
aber dann in spezielle Bereiche unterteilt. Ähnlich der Unterteilung in
Engel, Erzengel und Seraphim im Christentum, die alle spezielle
Aufgaben haben, gibt es dies auch in der indischen Tradition. Nichts
kann neu erschaffen werden, bevor etwas altes gegangen ist. Diese
Weisheit teilten bereits die Schamanen. Wenn man Kokosnüsse nicht
erntet, wachsen keine neuen. Daher gibt es im Indischen das Prinzip
„GOD“, welches man mit Generator (Erschaffer), Operator
(Erhalter/Agierender) und Destroyer (Zerstörer) übersetzen kann. Dies
ist der Ausdruck des männlichen Prinzips „Brahma, Vishnu, Shiva“, wie
eingangs erwähnt.
Einer
Geschichte zu Folge trafen sich diese drei Götter auf dem Berg Kailash,
um über die Vernichtung einiger Dämonen zu beraten. Als die Götter
erzürnt in die Mitte zwischen sich sahen, traten Lichtstrahlen aus
Ihren Augen hervor und aus diesen entstand ein großer Feuerball. Heraus
trat Shakti, ein Teil von allen Göttern zugleich. Sie war wunderschön,
in den Farben weiß, rot und schwarz, die auch die Kraft der drei Götter
wiederspiegeln. Sie sagte: „Kennt Ihr mich nicht, edle Gebieter? Ich
bin die Sammlung eurer Kraft, ich bin eure Shakti!“ Als erster überwand
Brahma seine Verlegenheit und befahl Ihr sich in drei Teile
entsprechend Ihrer Farben zu teilen. So entstanden Sarasvati, Lakshmi
und Parvati, die Brahma, Vishnu und Shiva zur Frau nahmen. Diese Frauen
stehen aber auch für unterschiedliche göttliche Prinzipien:
•Sarasvati
ist die weiße Göttin der Inspiration für Dichter, Denker, Künstler und
Heiler. Sie entspricht der weißen Göttin, die von den Kelten als Brigid
oder Birgit verehrt wurde.
•Die
rote Lakshmi verkörpert das Glück, Schönheit und Wohlstand, ähnlich der
Fortuna mit dem Füllhorn und der Schönheit von Aphrodite. Die
Eifersucht von Sarasvati und Lakshmi erklärt, warum Künstler und Poeten
oft viele Entbehrungen ertragen müssen.
•Für
die schwarze Göttin gibt es viele bekannte Namen, Kali ist der im
Westen verbreitetste, aber auch Devi und Durga haben ähnliche
Bedeutungen. Schwarz zieht Negativität an, und Kali gilt als die
Zerstörerin der Negativität.
Hier
findet sich wieder eine Verwandtschaft zu den schwarzen
Madonnen-Verehrungen bei uns. Viele Heilungen und Wunder geschehen an
den Orten, an denen solche Statuen stehen. Durch das Abnehmen der
Negativität durch die schwarzen Madonnen werden diese Wunder möglich,
würde man aus dem indischen Wissen heraus schließen. Viele heilige
Pilgerstätten, wie Lourdes, haben durch Marienerscheinungen eine
direkte Verbindung zur göttlichen Mutter. Solche Erscheinungen tragen
hohe heilerische Energien mit sich. Marienerscheinungen werden nicht
nur von Orten, sondern auch von Personen berichtet. So sind einige
streng gläubige Menschen bereits der Mutter Gottes begegnet, wie die
Heilige Katharina Labouré, der sie neun Mal erschien. Auch Hildegard
von Bingen wurden solche Kontakte zugesprochen.
Diese
Menschen besaßen immer große heilerische Fähigkeiten. Auch
Nichtgläubigen ist die Mutter Maria schon er schienen, was oft zu einer
völligen Wandlung des Lebens dieser Menschen geführt hat. Wenn ein
Mensch einige dieser Erscheinungen erleben durfte, kommt es vor, wie
bei der oben erwähnten Katharina Labouré, dass deren Leib nach Ihrem
Tod nicht verwest, sondern der Leichnam völlig beweglich und frisch da
liegt, als wäre die Person nur eingeschlafen. Dies kann jeder in der
Chapelle Notre-Dame de la Medaille Miraculeuse in Paris (140 rue du
Bac) nachprüfen, wo die vor über 50 Jahren verstorbene Katharina in
einem Glassarg aufgebahrt liegt. Auch in Nevers in Südfrankreich liegt
ein solcher Körper in „Samadhi“, wie es die Inder nennen würden. Der
Geist ist aus dem Körper gegangen und dieser heilige Körper fungiert
nun wie eine Empfangsantenne für Energien. Seit 1926 liegt die Heilige
Bernadette Soubirous nun schon in der Klosterkirche aufgebahrt. Im
Westen wird vieles davon nicht veröffentlicht, vor allem nicht, dass in
einige Klöstern Techniken gelehrt werden, um Kontakt zur Mutter Maria
herzustellen.
In
Indien lebt ein Heiliger namens Swami Kaleshwar. Es ist seine
Lebensaufgabe Heiler auszubilden, und er lehrt unabhängig von Religion
oder Glaubensrichtung wie man den Kontakt zur göttlichen Mutter
herstellen kann. Er lehrt Techniken, eine Form von
„Marienerscheinungen“ – wie wir es im Westen nennen würden – bei
normalem Tagesbewusstsein sehen zu können. Bei den Menschen, die bereit
sind sich den nötigen Übungen hierfür zu unterziehen, aktiviert dies
starke heilerische Fähigkeiten, welche durch die Anzahl der
Erscheinungen gesteigert werden. Aus eigener Erfahrung kann ich
berichten, dass dies möglich ist. Man kann sogar regelmäßigen Kontakt
zur Mutter Gottes aufbauen. Es gibt dabei viele Erscheinungsformen der
göttlichen Mutter, kann sie doch jede Form annehmen, in jeder Sprache
sprechen ... schließlich ist sie die Erschafferin dieser Welt. Um
solche Erlebnisse ermöglichen zu können, braucht es regelmäßige
Ausübung von Mantren, einer Art Gebete ähnlich dem Rosenkranz bei uns.
Außerdem ist es erforderlich verschiedene Regeln einzuhalten, die sich
auf Nahrung und Lebensweise beziehen. Diese Übungen stehen in einigen
der ältesten Schriften dieses Planeten, auf Palmblättern, die in
Indien gefunden wurden. Sie dienen der Reinigung des Körpers, der Seele
und der Energien, die man in sich trägt. Die Basis bilden jedoch die 5
Elemente aus denen wir bestehen und die wir zunächst ausgleichen
müssen. Auch dies geschieht mit Mantren, wie bereits in einer anderen
Ausgabe der Himmelsleiter berichtet.
Quellenangaben:
Wolf-Dieter Storl – Shiva, der wilde gütige Gott
Eva Maria Kiefer – Visionen der Göttin
Herbert Hoffmann – Wege zur Weltenmutter (Internettext)
Copyright: Dirk Reichel, Heilpraktiker, Aachen