Der Mensch strebt seit Jahrtausenden nach Erklärungen, die seine Welt und seine Wahrnehmungen beschreiben können. Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Wieso müssen wir leiden? Was passiert, wenn wir sterben? Es gibt genauso viele Erklärungen über die Welt wie es Menschen gibt. Viele dieser Erklärungsformen haben sich zu Religionsgemeinschaften entwickelt und durchgesetzt. In allen Kulturen und zu allen Zeiten – auch in allen spirituellen und religiösen Gemeinschaften – gab es Menschen, die sich umfassender mit der sogenannten „geistigen Welt“ beschäftigt haben. Manche haben die Begabung, direkt in Kontakt zur geistigen Welt zu treten. Ob Seher, Priester, Visionäre, Heiler, Schamane: Die Rolle dieser Menschen bestand darin, die Ängste, Nöte und Sorgen der Mitmenschen zu lindern, ihr Leiden zu heilen, die Gemeinschaft zusammen zu halten und als Leitfigur für die individuelle Entwicklung zu dienen.
Früher mit der Erde verbunden …
Noch bis zum Mittelalter lebten die Menschen sehr verbunden mit der Erde. Sie haben den Naturkreislauf näher erfahren als der moderne Mensch. Die Jahreszeiten, das Leben und Sterben von Mensch und Tier, die Ernte und das Schlachten: Für alles gab es eine Zeit. Wenn die Menschen krank wurden, gingen sie zum Dorfheiler oder zur Kräuterfrau. Wenn sie einen Brunnen bohren oder ein Haus bauen wollten, holten sie einen Rutengänger der nach Wasseradern suchte oder sie beobachteten wo sich die Tiere in ihrer Umgebung niederließen. Die Renaissance brachte viele soziale Veränderungen mit sich. Menschen flohen in die freien Städte, um der Herrschaft des Adels zu entkommen. Sie lernten neue Berufe statt Ackerbau zu betreiben, Geldwirtschaft statt Tauschhandel. Sie entfernten sich immer mehr von den Zyklen der Natur. Es entstand ein dichteres Zusammenleben von vielen Menschen auf engem Raum. Das Gruppenbewusstsein ging langsam in ein individuelles Bewusstsein über. Der Mensch vertraute mehr den Maschinen und seiner eigenen Ratio anstatt eigenen Gefühlen und Intuition. Diese Bewusstseinsveränderung stellte für die katholische Kirche eine ernsthafte Bedrohung dar. Auch die Seher, Heiler, Kräuterfrauen und Hebammen wurden zu Konkurrenten. Sie wurden Ketzer genannt und mussten „beseitigt“ werden. 1484 verfasste Papst Innozenz VIII einen Papstbrief gegen die sogenannte Hexerei. Der „Malleus Maleficarum“, auch als „Hexenhammer“ bekannt, wurde im 1486 in seinem Auftrag von den Dominkanischen Mönchen Kramer und Sprenger verfasst. So begann in Europa die Folterung und Ermordung tausender Menschen im Namen der Inquisition. Viele dieser Menschen waren Seher, Heiler, Hellsichtige und Kräuterkundige, aber auch Freidenker, Anhänger der alten Natur-Religionen, Wissenschaftler, alte Menschen, Frauen und sozial Schwache – im Grunde genommen Menschen, die sich durch besondere Begabungen, Armut oder sonstige Andersartigkeiten vom Durchschnitt unterschieden.
Moderne …
Seit einigen Jahrzehnten, wächst weltweit wieder das Interesse für Selbsterfahrung, Spiritualität, alternative Heilmethoden und okkultes Wissen. Die experimentierfreudige Hippie-Generation und deren „Flower Power“ (im Westen besonders durch die „Beatles“ und ihre Indienreisen verbreitet) brach mit alten Traditionen und Glaubenssätzen. Die sogenannte „New Age-Bewegung“ brachte ein neues Bewusstsein mit sich. Sie vereinigt östliche und westliche Lehre. Alles von Drogenexperimenten bis Meditationsretreats in indischen Ashrams, Zen Dojos und buddhistischen Tempeln über Yogakurse und Hexenkreise sowie Astrologie, Tarot und Channeling, hatte Hochkonjunktur: Die Menschen fingen an, sich ernsthaft mit allen Formen der Bewusstseinserweiterung und Spiritualität zu beschäftigen. Die Verbreitung durch Massenmedien und günstige Reisemöglichkeiten brachten diese Informationen zunehmend größeren Kreisen von Menschen näher.
Zukünftiges Zeitalter …
Wir leben in einer Zeit, in der kosmisches Wissen wieder auf die Erde kommt. Die Menschheit steht an einem Wendepunkt ihrer Entwicklung. Neue Aufgaben, Lebensformen und Fähigkeiten werden ausprobiert. Die Entwicklung vom instinkthaften, bäuerlichen Gruppenmenschen zum rationellen, urbanen Individuum war wichtig auf dem Weg zum Bewusstsein, sich zwar als Individuum wahrzunehmen, aber als Teil einer mehrdimensionalen, spirituellen Einheit zu betrachten. Viele Visionäre prophezeien, dass wir Menschen wieder durch Telepathie und Empathie kommunizieren werden, dass die geistige Welt und unsere wahrnehmbare „Dimension“ näher zusammenrücken werden, und dass wir Menschen dadurch offener, toleranter und friedvoller werden. Diese Vorstellung ist schön, aber noch weit entfernt. Diese Weiterentwicklung braucht Zeit und Individuen, die ihren Mitmenschen helfen, die nächsten Schritte zu durchlaufen.
Wieso medialer Unterricht …
Trotz des neuen, aufkeimenden globalen Bewusstseins haben sehr viele Menschen mit besonderen Begabungen erfahren, dass ihre Fähigkeiten Neid, Konkurrenz, Angst und Verwirrung bei ihren Mitmenschen auslösen. Viele Hellsichtige schämen sich, dass sie anders sind als „die Anderen“. Sie haben keine Erklärung für ihre Wahrnehmungen. Sie verleugnen sich und verdrängen ihre Fähigkeiten vor sich und ihrer Umwelt, damit sie akzeptiert und angenommen werden. Uns fehlt eine gesellschaftliche Akzeptanz, in der Magie, Hellsehen, Telepathie und Heilen so alltäglich sind wie in beliebten Kinderbüchern, beispielsweise „Harry Potter“. Medial begabte Menschen dabei zu unterstützen, ihre Fähigkeiten anzunehmen, ist ein sinnvoller Anfang in diese Richtung.
Zu meiner Person …
Ich habe solange ich denken kann gewusst, wenn jemand stirbt, dass etwas „Gutes“ oder „Böses“ passieren wird, und dass Menschen eine Farbenaura besitzen, und ich praktizierte das Handauflegen. Manchmal war es sehr unangenehm, diese Wahrnehmungen zu besitzen. Ich lernte, dass es für viele Menschen in meinem Umfeld (Schule, Freunde etc.) unangenehm war, über „solche Dinge“ zu sprechen. Deswegen habe auch ich gelernt, diese Fähigkeiten zu verdrängen. Mir war früh klar, dass ich mit Menschen arbeiten will. Ich fing an, Medizin zu studieren, entschied mich aber nach drei Jahren zur Psychologie zu wechseln, weil ich erkannte, dass Menschen auch im Geist und in der Seele erkranken. Eine anschließende Zusatzausbildung zur Gesprächspsychotherapeutin habe ich absolviert, weil es mir ein wichtiges Anliegen ist, ein Therapieverfahren zu lernen und auszuüben, in dem der Mensch in seiner seelischen Gesamtheit im Mittelpunkt steht. Darüber hinaus wuchsen und verfeinerten sich im Laufe der Zeit meine medialen Fähigkeiten. Mein Vater regte mich an, mich mit verschiedenen Formen der Meditation, Psychotherapie, Eigenarbeit und Erdung zu befassen. Wenn man sich medial betätigt, ist es besonders wichtig, sich selbst zu erkennen, um unerlöste Eigenanteile und Ego-Denken möglichst gering zu halten. Im Laufe meiner langjährigen psychotherapeutischen Arbeit haben mir immer wieder Klientinnen und Klienten verstohlen ihre besonderen Wahrnehmungen anvertraut. Manche haben Angst gehabt, dass sie als psychotisch oder als schizophren diagnostiziert werden könnten. Nach meiner Erfahrung war die Mehrzahl dieser Menschen „emotional gestört“, weil sie ihre mediale Begabung nicht annehmen konnten. Sie waren nicht im pathologischen Sinne psychisch gestört! Ihnen fehlte ein Name oder eine Bezeichnung für ihre Erfahrungen und ihnen fehlte die Akzeptanz, dass es sehr hilfreich und positiv sein kann, solche Begabungen zu besitzen. Wie das Gesetz der Resonanz sagt: „Gleiches zieht Gleiches an“. Je mehr ich mich mit meinen Fähigkeiten auseinandergesetzt habe, desto mehr Menschen mit medialen Begabungen kamen auf mich zu. Sie suchen Bestätigung, Ausbildung, Unterstützung und Gemeinschaft mit ihres Gleichen. Daher ist die Idee entstanden, eine fortlaufende Ausbildungsgruppe für Menschen ins Leben zu rufen, die ahnen, dass sie mediale Fähigkeiten besitzen, aber nicht wissen, wie sie damit umgehen können – oder wie sie diese verantwortungsbewusst einsetzen können.
Medialer Unterricht …
In dieser Gruppe lernen die Teilnehmer Meditations- und Entspannungstechniken, damit sie leichter die richtige Gemütsverfassung für ihre mediale Arbeit erreichen. Sie lernen durch Übungen und Feedback aus der Gruppe, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen und sie zu verfeinern, damit sie selbst mehr Vertrauen in die eigene Fähigkeit gewinnen. Übungen zur Erdung, Körperbewusstsein und Abgrenzung werden unterrichtet, damit ein effektiver und sicherer Umgang mit Energie erlernt wird. Heilerisch Begabte – und alle, die sich dafür interessieren – lernen dazu den Umgang mit Energie- und Chakrenlehre, um die eigene heilerische Begabung effektiver umzusetzen. Der Bereich „Ethik“ darf nie fehlen, wenn Menschen mit anderen Menschen zusammenarbeiten. Daher wird sich diese Gruppe häufig mit dem respektvollen Umgang mit den Grenzen anderer, dem Recht auf Intimsphäre und dem richtigen Umgang mit Prognosen und Supervision beschäftigen: Es besteht die Möglichkeit, entweder individuell oder in Kleingruppen, die eigene Erfahrungen, Schwierigkeiten oder Probleme zu bearbeiten.
Teil II befasst sich mit Beispielen der verschiedenen Formen von Medialität (ASW – Außersinnliche Wahrnehmung).