Die Blutegel-Therapie
Die Therapie mit Blutegeln erzeugt bei vielen Patienten, aber auch Therapeuten, ein leicht mulmiges Gefühl. Als ich vor Jahren das erste Mal einen saugenden Egel erblickte ging es mir genauso.
Doch schnell erwachte meine Faszination für diese doch sehr hilfreichen Tiere. Im Selbstversuch bemerkte ich dann, dass es nicht sehr schmerzhaft war und dass die Egel auch gar nicht so eklig waren, wie ich ursprünglich gedacht hatte. Im Gegenteil, bis heute empfinde ich die Blutegel als faszinierende Lebewesen, die es lohnt näher zu betrachten.
Nicht zu Unrecht handelt es sich hier um eine altbekannte Therapieform, die auch in der heutigen Medizin noch immer oder auch wieder (z.B. plastische Chirurgie) ihren Platz findet.
Die Therapie mit Blutegeln kann zum Beispiel bei folgenden Erkrankungen angewendet werden:
• Kopfschmerzen und Migräne
• Nasennebenhöhlenentzündungen
• Blutergüsse (das klassische Einsatzgebiet für Blutegel)
• Venöse Stauungen und Krampfadern
• Venenentzündungen
• Offene Beine
• Bluthochdruck
• Entzündungen und Furunkel
• Lebererkrankungen
• Beschwerden nach Operationen
Ebenso bei zahlreichen anderen Erkrankungen.
Die Therapie mit Blutegeln funktioniert so, dass ein oder mehrere Blutegel (nicht etwa hunderte, wie in früheren Zeiten) im zu behandelnden Gebiet angesetzt werden.
Aus gesetzlichen und hygienischen Gründen ist es heute so, dass Blutegel nur jeweils bei einer Person verwendet werden dürfen. Damit ist gewährleistet, dass es nicht zur Übertragung von Krankheiten anderer Patienten und Patientinnen kommen kann.
Der Blutegel bohrt – auf die Haut aufgesetzt – ein winziges Loch in die Haut, übrigens ein fast schmerzloser Vorgang. In diese Wunde gibt er sein Speichelsekret ab, dass Substanzen enthält, die die Blutgerinnung behindern. Dadurch entsteht zunächst ein stetiger leichter Blutfluss.
Mit dem Speichel gelangt auch der Wirkstoff Hirudin in den Körper, der letztendlich das Blut verdünnt. Der Egel bleibt so lange an der Bissstelle, bis er satt ist (in der Regel 30-50 Minuten) und fällt dann von alleine ab.
Danach blutet die Bissstelle noch einige Stunden nach, das sogenannte Nachbluten. Dies ist ein besonders nützlicher Effekt im Bezug auf venöse Stauungen, Blutergüsse und Entzündungen. Das Gewebe wird viel stärker als normal durchblutet und nicht benötigte Stoffe können schneller abtransportiert werden.
Die Bissstelle wird locker verbunden, damit das Nachbluten auch ausreichend stattfinden kann. Nach ca. 24 Stunden sollte die Blutung zum Stilstand gekommen sein und die Bissstelle kann mit einer Heilsalbe behandelt werden.
Die Blutegel-Therapie ist eine relativ kostengünstige Therapie, da sie nicht häufiger Wiederholungen bedarf und trotzdem sehr effektiv ist.
Ulrich Gühsgen
Heilpraktiker, Eschweiler