Yin, Yang und Geld im echten Leben
oder die Grenzen des Geistes
Über
etliche der vergangenen Ausgaben hin haben Sie an dieser Stelle immer
wieder Informationen über Feng Shui und dessen Einflussmöglichkeiten
auf Ihr Leben gefunden. Heute möchte ich Sie gedanklich einmal auf
etwas andere Wege führen. Wir werden nämlich noch einmal ganz zu den
Ursprüngen gehen – zu Yin und Yang und was diese mit unserem Alltag zu
tun haben. Möglicherweise denken Sie jetzt „Das ist doch ein alter
Hut!“, aber vielleicht lesen Sie ja doch einmal bis zum Ende. Denn ich
nehme stark an, dass Sie einige der heutigen Gedanken SO denn
möglicherweise doch noch nicht betrachtet hatten.
Zuerst zum
Grundsätzlichen. Yin und Yang sind zwei Gegensätze und gleichzeitig
auch zwei Seiten derselben Medaille. Aufbau und Abbau, Bewegung und
Ruhe, Arbeit und Vergnügen, Aufbruch und Niedergang – alles das sind
Vorgänge, die voneinander abhängen und doch Gegensätze sind. Auch in
unserem täglichen Leben gibt es Yin und Yang. Am einfachsten ist es,
wenn wir uns dafür zurück in unsere steinzeitliche Höhle denken.
Alles
das, was wir tun, wenn wir morgens zum Jagen und Sammeln aus der Höhle
herausgehen, gehört zum Yang: Das ist Energieverbrauch, Arbeit.
Muskeln, Hirn und Lungen sind stärker durchblutet, und der Körper ist
aufmerksam und gespannt. Wenn wir dann abends in die Höhle
zurückkehren, passiert genau das Umgekehrte und wir schalten um auf
Yin: Wir essen, regenerieren und lagern Energie ein. Jetzt sind auch
Bauch und Unterleib stärker durchblutet; wir kämpfen nicht mehr,
sondern halten Palaver am Feuer, vermehren uns und ruhen uns aus.
Ich zitiere hier einmal einen Auszug aus dem Klassiker des Gelben Kaisers, Su Wen - Abschnitt:
„Das
Prinzip von Yin und Yang ist das Grundprinzip des gesamten Universums.
Es ist das Prinzip all dessen, das erschaffen worden ist. Es beinhaltet
die Umwandlung bis zur Elternschaft, es ist die Grundlage von Leben und
Tod; und es ist auch in den Tempeln der Götter vorhanden. Um
Krankheiten zu behandeln und zu heilen, muss man nach ihren Ursprüngen
suchen. Der Himmel ist durch die Ansammlung von Yang erschaffen worden,
Yang, das das Element des Lichtes ist; die Erde entstand durch die
Anhäufung von Yin, das das Element der Dunkelheit ist. [...] Yang
bedeutet Auflösung und Yin, Vorhandenes zu erhalten. Yang bedeutet den
Geist von Dingen, während Yin ihnen Form verleiht.“
„Zurückzuführen
ist dies darauf, dass Himmel und Erde jeweils für sich genommen kein
Ganzes darstellen. Das Gleiche gilt für Yin und Yang. Nichts kann auf
Grund dieser üblen Einflüsse jeweils für sich etwas Vollständiges
darstellen. Darum ist die reine Energie im Himmel zu finden, während es
auf der Erde Körper und Form gibt. [...] So manifestieren sich in
Himmel und Erde Bewegung und Ruhe, was durch die Weisheit der Natur so
angelegt ist. Die Natur verleiht die Fähigkeit zu Zeugung und Wachstum
und zur Ernte, zur Speicherung, von Ende und Anfang.“
Soweit die
klassischen Erläuterungen. Ich finde, damit sind die Ideen hinter Yin
und Yang schon ziemlich gut erklärt. Andererseits helfen uns die Ideen
alleine auch nicht weiter. Was hat das denn überhaupt mit Feng Shui zu
tun?
In den gängigen Feng-Shui-Büchern werden Yin und Yang immer
als Gegensätze beschrieben, hell/dunkel, oben/unten, usw. Das ist gar
nicht mal so falsch, denn wenn man Zustände beschreibt, kann man immer
nur eine Momentaufnahme nennen. Dann ist man eben oben oder kalt oder
lebendig oder oder … Nur: Ein Zustand ist eine vorübergehende
Erscheinung. Wenn wir dauernd in ein und demselben Zustand verharren,
dann sind wir irgendwann tot. Der in vielen Fällen wirklich
entscheidende Knackpunkt liegt im letzten Satz des ersten Zitats: „Yang
bedeutet den Geist von Dingen, während Yin ihnen Form verleiht.“ Yang
ist die Idee, der Geist hinter den Dingen, und Yin ist die Form und das
Material, aus dem die Dinge dann zusammengesetzt sind. Wir können
nichts erzeugen, ohne vorher eine Idee davon zu haben und ohne Idee
nützt uns das tollste Material gar nichts.
Ein Maurer mit einem
Haufen Steine ohne Bauplan ist genauso hilflos, wie ein Architekt mit
fantastischen Plänen, aber ohne das notwendige Material. Diese Analogie
lässt sich auf alle Lebenssituationen übertragen. Sogar Krankheiten und
Situationen des täglichen Lebens haben ihre Yin- und Yang-Anteile. Mein
Körper tut nichts, wenn nicht aus dem Bewusstsein oder dem
Unterbewusstsein die entsprechende Aktivität angeregt (oder blockiert)
wird. Genauso wirkt aber auch jeder äußere Eindruck auf unseren Körper
und unseren Geist zurück. Ein Schlag mit dem Hammer auf den Daumen
erzeugt eine körperliche UND eine geistige Reaktion.
Jede
Aktivität oder jede Interaktion mit unserer Umwelt und unseren
Mitmenschen hat ebenfalls Yin und Yang. Wir machen uns unsere Gedanken
und reagieren dann –
bewusst oder unbewusst. Umgekehrt löst alles,
was an Eindrücken auf unseren Körper trifft, geistige Vorgänge aus. Es
ist ein ewiger Kreis, wie er ja auch im Yin-Yang-Symbol, dem Tai Ji Tu
dargestellt wird. Beides zusammen ist zwingend notwendig.
Aus
einer Idee entsteht etwas Fassbares. Das Fassbare bringt uns wieder auf
neue Ideen. Es braucht immer Yin und Yang, um etwas entstehen zu
lassen. Auf das „echte Leben“ übertragen bedeutet das: Wer nur sein
Leben träumt, wird genauso scheitern, wie derjenige, der viel kann,
aber keine Ziele im Leben hat. Jeder Traum kommt einmal an einen Punkt,
ab dem Aktivitäten erforderlich sind und die Idee in die Tat umgesetzt
werden muss. Jeder Zustand dauert genauso lange, bis ich auf Ideen
komme oder gebracht werde, die mir helfen, aus dieser Situation etwas
anderes oder besseres zu machen.
Im Feng Shui gibt es drei
grundlegende Dinge, die bei Beratungen immer wieder zur Sprache kommen:
Geld, Beziehung, Gesundheit. Und auch bei diesen Dingen gibt es eine
Yang-Phase der Überlegung und Ideensammlung, die dann von einer
Aktivität abgelöst werden muss – sonst passiert nämlich nichts. Die
Beratung verbessert nicht das Leben, die Beratung ZUSAMMEN mit der
Handlung tut das. Es gibt ein altes Sprichwort das sagt:
Der, der weiß und nicht handelt, ist schlimmer als der, der nicht weiß und deshalb nicht handelt.
In
Bezug auf unsere Beratung haben wir daher immer die Phase, in der
Empfehlungen zu Geld, Gesundheit und Beziehungen gegeben werden. Danach
kommt die Umsetzungsphase. Umsetzung kann bedeuten, dass Möbel gerückt,
Zimmer getauscht oder renoviert werden sollten; Umsetzung kann aber
auch das Einbeziehen von anderen Fachleuten bedeuten. So kann z.B. im
Zusammenhang mit Finanzproblemen im Yang-Bereich ein Springbrunnen das
Qi optimieren, auf der substanziellen Ebene kann zusätzlich eine
Finanzberatung helfen, sich einmal einen neuen Überblick über die
Situation zu verschaffen und alleine durch Einsparungen und
Umstellungen mehr Geld zur Verfügung zu haben. Es gibt in jedem Bereich
des Lebens Hilfen. Man muss sie nur nutzen. In spirituellen Kreisen
wird leider genau diese körperliche Umsetzung oft etwas vernachlässigt,
weil ja „alles irgendwie vom Geist ausgeht“. Das ist aber a) sehr kurz
und b) nicht ganzheitlich gedacht. Wir bestehen aus Körper und Geist,
aus Yin und Yang, und dasselbe gilt für unsere Wohnung, unser Leben und
für das, woran sich unsere Nachkommen erinnern sollen.
Während
bei Beziehungen oft noch relativ schnell eingesehen wird, dass niemand
Neues ins eigene Leben kommt, wenn man jeden Abend auf der eigenen
Couch sitzt und fernsieht, und fast jeder weiß, dass
Gesundheitsprobleme auch mit körperlicher Trägheit zusammenhängen, so
werden Aktivitäten im Zusammenhang mit Geld sehr oft extrem eng
gesehen. „Ich habe doch nur diesen Beruf, da kann ich doch nicht anders
…“ „Ich möchte ja mehr Geld haben, aber nicht mehr arbeiten …“ „Ich
gebe jedem Monat soundsoviel für Versicherungen aus, da kann man nichts
machen …“ „Mit Geld kenne ich mich sowieso nicht aus …“ Kaum ein Thema
ist mit soviel Angst und Fatalismus besetzt, wie Geld, und deswegen
schieben es sehr viele Menschen auch so weit wie möglich weg.
Kennen
Sie den Witz von der großen Überschwemmung, bei der auch der Pfarrer
auf seinem Hausdach sitzt? Zuerst kommt ein Nachbar im Ruderboot und
will ihn mitnehmen, aber der Pfarrer sagt: „Nein danke, der liebe Gott
wird mich retten!“ Dann kommt die Feuerwehr mit einem Motorboot, aber
der Pfarrer sagt wieder: „Nein danke, der liebe Gott wird mich retten!“
Letztendlich kommt sogar ein Hubschrauber, aber der Pfarrer lehnt
wieder ab. Etwas später ertrinkt er. Völlig zornig steht er dann vor
Gott und schimpft und zetert, weil Gott ihn nicht gerettet hat, obwohl
er, der Pfarrer, doch so ein treuer Diener war. Da sagt Gott: „Was
willst Du eigentlich? Ich habe doch alles getan um Dich zu retten. Habe
ich Dir nicht ein Ruderboot, ein Motorboot und zuletzt sogar einen
Hubschrauber geschickt?“
Im esoterisch-spirituellen Bereich ist
eine vergleichbare Haltung oft anzutreffen. Vor lauter Wünschen an das
Universum bekommen viele Menschen die Antworten des Universums nicht
mit und verpassen die Chancen, die sich bieten, und das ganz besonders
im Umgang mit Geld. Geld löst bei vielen Menschen eine unterschwellige
Angst aus und wird deswegen, was diesbezügliche Aktivitäten angeht, oft
einfach geistig zu weit weggeschoben. Dann ist es kein Wunder, wenn das
Geld dann auch körperlich meistens woanders ist, als auf dem eigenen
Konto. Also: Kümmern Sie sich drum, werden Sie aktiv oder lassen Sie
sich dabei helfen!
Jürgen Schnitzler
Ganzheitliche Finanzberatung, Erkelenz
Tel.: 02431-9039034