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Eine ganz besondere Wanderung:

mit schamanischem Blick durch die Natur

Eine Wanderung durch die Natur hatte ich, wie bestimmt  jeder von euch, bereits manches Mal gemacht. Hinaus an die frische Luft, um sich zu erholen, und um mal kurz abzuschalten vom Alltag. Aber an diesem Morgen - als ich mit meiner Frau diese im Nachhinein sehr besondere Wanderung begann - bat ich meine inneren Begleiter, mein Totem und meine Krafttiere darum, dass dies nicht nur eine „normale“ Wanderung, sondern eine Wanderung mit einem Zweck werden würde.

Der Ausgangspunkt war oben auf einer Anhöhe, von der man einen fantastischen Ausblick über ein weites Tal und die Hügel in der Ferne hatte. Die Sonne wärmte uns sehr, aber eine sanfte Brise sorgte für genügend Abkühlung – einfach ideales Wetter für unseren Ausflug. Den Hügel runter ging’s einen hohlen Weg entlang. Beide Seiten des Weges waren mit kniehohem Gras, Kräutern und wilden Blumen in den schönsten Farben bewachsen. Und hier offenbarte sich schon das erste Zeichen, dass meine Bitte erhört wurde, auch wenn ich dies in dem Moment noch nicht ganz erfasste. Mehrere Schmetterlinge in verschiedenen Farben wirbelten um die bunten Blumen - ein wunderschöner Anblick.

Im Schamanismus hat das Erscheinen von Tieren im täglichen Leben wie im Traum eine Botschaft, und kann sogar als ein Zeichen gesehen werden. So steht der Schmetterling für Transformation, Gleichgewicht, Grazie, Freude und Mut, Reinkarnation, Magie, Schönheit und Liebe, so wie das Erkennen und Verstehen deiner Position im Leben. Die Schönheit des Schmetterlings erinnert uns an die transformierenden Prozesse des Lebens. Ist momentan etwas Wichtiges in deinem Leben, das zu stagnieren scheint? Realisiere dann, dass hinter dem Sichtbaren und Unsichtbaren eine Transformation stattfindet. Etwas weiter auf unserem Weg fand ich meine erste Feder an diesem Tag, eine Krähenfeder. Und da, ein paar Meter weiter, noch eine. Insgesamt fand ich vier Krähenfedern, und später, als der Weg sich zu einer Wiese hin öffnete, sahen wir sogar eine Krähe auffliegen. Wenn man eine Krähe sieht bedeutet das: Rat, Weisheit und Initiative. Mit viel Lärm warnen Krähen einander wenn Gefahr droht, und nur wenig entgeht ihrem scharfen Blick. In manchen Kulturen wird die Krähe als Hüter des Wissens und der Heiligen Gesetze angesehen. Wenn die Krähe erscheint, soll man aufmerksam sein. Bist du dir sicher, dass du begreifst, was um dich herum stattfindet?

Während wir weiter durch den hohlen Weg gingen, sahen wir in der rechten Wand, zwischen den Wurzeln der Sträucher, den Eingang einer Dachshöhle. Wir schauten uns das etwas genauer an und fanden noch zwei weitere Ein- und Ausgänge im Gebüsch. Leider haben wir den Dachs nicht gesehen, aber auch das Finden seiner Höhle ist schon etwas außergewöhnliches, und hat also auch seine Bedeutung. Der Dachs ist standhaft und gibt nicht nach, auch wenn er für eine verlorene Sache kämpft. Sieht man einen Dachs muss man sich fragen, ob man momentan den richtigen Weg beläuft. Oder ist da vielleicht etwas, bei dem dein eigener Starrsinn dich behindert? Vorbei an der Wiese, wo wir die Krähe sahen, kamen wir an eine Gabelung unseres Weges. Erst folgten wir dem Weg den wir geplant hatten, aber nach wenigen Metern packte mich so ein Gefühl und ich entschloss mich, vom Wege abzuweichen und auf mein Gefühl zu vertrauen. Durch eine Wiese ging es hinunter in ein kleines Tal, wo ein kleiner Bach mit klarem Wasser sich seinen Weg durch die Landschaft suchte. Wir überquerten den Bach mittels einer kleinen provisorischen Brücke, und von da ging es weiter über einen schmalen Pfad durch einen Wald. Hier war es schön kühl und dazu ziemlich dunkel, aber das Wasser war nie weit weg. Wir konnten den Bach den ganzen Weg entlang durch die Baume und Sträucher sehen bzw. hören. Da Wasser auch für das Gefühl steht, machte ich mir klar, dass diese Überquerung des Wassers (lese Gefühl) und das Folgen des Pfades am Bach entlang mir zeigen wollten, dass ich meinem Gefühl mehr folgen muss.

Wir kamen nun aus dem Wald heraus und gingen durch ein kleines Tor. Jetzt befanden wir uns auf einer sonnigen Wiese mit mehreren Kühen. Was für ein Übergang – aus dem Dunkel hinein ins grelle Licht. Auch die Kühe haben eine Botschaft. Die Kuh ist nicht nur großmütig und versorgend, sie symbolisiert auch den Überfluss des Universums. Diejenigen, die mit ihrer Energie arbeiten, erkennen ihre Bedürfnisse. Die Kuh lehrt uns mit offenem Herzen zu geben und zu empfangen. Durch ein weiteres Tor verließen wir die Wiese und gingen über ein verwildertes Grundstück, auf dem die Brenn-Nesseln fast zwei Meter hoch den schmalen Pfad entlang wuchsen und uns manchmal sogar ein wenig den Weg versperrten. Wir bahnten uns einen Weg und standen plötzlich überraschend vor einem alten aus Backstein gemauertem Tunnel, durch den auch der Bach floss. Durch den Tunnel liefen wir weiter und gingen so noch einmal vom Dunkeln ins Licht. Am anderen Ende des Tunnels überquerten wir ein zweites mal den Bach. Wieder waren wir unserem Gefühl gefolgt, sogar in noch dunklere Umgebung, ähnlich wie vorhin im Wald. Weiter ging es den Weg entlang, mit dem Wald zur linken und den Wiesen zur rechten Seite – schön warm in der Mittagssonne, in vollem Licht. Ein Stück weiter sahen wir einen Graureiher auf einer Wiese stehen. Ein Reiher steht sogar auf einem Bein noch im Gleichgewicht, ist in Balance. Er kann stundenlang ins Wasser starrend verharren. Geduldig, fast meditierend, wartend bis seine Beute sich sehen lässt. Nehme dir doch auch mal die Zeit wie ein Reiher zu sein. Still und ruhig, in deine eigene innere Welt blickend, wo die Antworten schon liegen und nur darauf warten entdeckt zu werden. Jetzt näherten wir uns einem Dorf und nahmen auf der Terrasse einer Wirtschaft eine Kleinigkeit zu uns.

Eine wunderschöne Libelle besuchte uns an unserem Tisch. Der Besuch einer Libelle läst uns wissen, dass eine Veränderung zu erwarten ist. Leistest du Widerstand gegen diese Veränderung, was du eigentlich nicht machen sollst? Die Libelle erinnert uns, dass wir selber Licht sind und dieses Licht auf eine großartige Weise reflektieren können, genau wie ihre wunderschönen Flügel; aber nur wenn wir selber diese Wahl treffen. Die Libelle kann dir helfen durch deine eigenen Illusionen zu blicken, so dass du imstande bist, dein eigenes Licht scheinen zu lassen. Die Libelle schenkt dir die Kraft zur Transformation.

Wir setzten unseren Weg am anderen Ende des Dorfes fort, einen Hügel hinauf. Ich fand einen kleinen Ast der mir gefiel und den ich natürlich mitnahm. Oben auf dem Hügel hieß uns einen große Gruppe Krähen mit viel Lärm willkommen. Auf einer Kreuzung ging es rechts weiter, ein Weg mit einer wunderbaren Aussicht. Hier fanden wir unzählig viele Schnecken auf unserem Weg. Die Schnecke lässt uns sehen, wie wichtig es ist immer wieder weiter zu gehen, auch wenn es nur langsam geht. Manchmal ist es sogar besser etwas langsamer voraus zu gehen, und mit mehr Aufmerksamkeit an die Sache heran zu gehen. Am Ende dieses Weges fand ich noch ein Paar Taubenfedern in verschiedenen Grautönen, von fast weiß bis dunkelgrau und fast schwarz. „Sollte ich nicht alles so schwarz-weiß sehen?” Die Taube bringt uns ja Liebe und Frieden.

Wir beendeten unseren Ausflug wo wir ihn begonnen hatten, oben auf der Anhöhe mit seinem wunderschönen Ausblick. „Der Kreis war wieder rund.” Erst zu Hause, als ich mir alle gefundenen Sachen ansah, fiel mir auf, dass dieser Ast einem Menschen ähnelt. Er hatte einen Körper, ein Gesicht, zwei Arme und zwei Beine. Es sah so aus, als bückte er sich um ein Hindernis zu bewältigen. „Hatte ich mich selber gefunden?”

Mit den gemachten Notizen und den gefundenen Sachen habe ich erst Tage später manche Einsicht erworben. Aus Dankbarkeit, und um die Erinnerung dieser wohl sehr speziellen Wanderung zu bewahren, machte ich mit den gefundenen Sachen ein Kraftschild. Die Energie von diesem Schild gibt mir Kraft auf meinem Weg.

Text & Foto von John DelaHaije
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