Wissen macht schön
Streichen Sie sich auch manchmal viel versprechende, teure Cremes in Ihr Gesicht? Ja, sind Sie auch schon in diesem Alter, wo Sie meinen, jetzt ist es „soweit“?
Dabei gilt folgendes zu beachten: Ihr Blick morgens in den Spiegel zeigt weniger das Ergebnis Ihrer Algen-Ampullen-Anwendung vom Vorabend als vielmehr Ihr persönliches Vermögen. Nämlich das Vermögen, entweder Ihren wohlwollenden- oder aber sarkastischen Blick auf sich selbst zu werfen. Je nachdem, für welchen Blickwinkel Sie sich entscheiden, wird der weitere Verlauf Ihres Tages bestimmt.
Entweder verlassen Sie Ihren Spiegel mit einem Lächeln oder eben nicht. Nehmen wir einmal an, Sie entscheiden sich gegen Ihr Lächeln. Mit herunter gezogenen Mundwinkeln verlassen Sie das Bad, bedrückt und von einem plagenden Gedanken verfolgt: „Es hat ja doch alles keinen Sinn!“ Wobei sich dann die Sinnlosigkeit einer einzelnen Creme nur als Vorbotin einer allumfassenden, generellen Sinnlosigkeit entpuppt. Nicht nur die Ampullen sind sinnlos, nein, das ganze Leben als solches ist jetzt in Frage gestellt! Kurzum, Sie haben das schon richtig erkannt: Es nutzt alles nichts! Lassen Sie es einfach bleiben. Oder aber: cremen Sie weiter, aber hoffen Sie nicht zu viel.
„Hoffen“ haben Sie übrigens auch gar nicht nötig.
Warum auf etwas hoffen, was schon längst da ist? Egal, ob Sie das schon bemerkt haben oder nicht – Sie sind schön. Wenn Sie jetzt denken, alles Quatsch, ich bin hässlich, dann kann das daran liegen, dass Ihnen schlicht und einfach Wissen fehlt.
Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters, der fähig ist, wirklich zu sehen. Und wir sehen nur, was wir kennen.
Welche Menschen finden Sie persönlich eigentlich schön? Ich meine diese Art Schönheit, die Sie berührt und die von jemand Schönem auf Sie überstrahlt. Meistens finden wir Menschen schön, die uns gut tun, deren Gegenwart sehr angenehm für uns ist. Menschen, mit denen wir in Resonanz gehen können. Menschen, die unsere Gefühle und Sehnsüchte binden und spiegelnd erwidern können.
Diese Zeitzeugen haben weniger in Cremes investiert als in Wissen! Aber nicht irgendein Wissen, sondern in ein enormes Wissen über sich selbst und die Menschen, die sie umgeben. Sie haben einen direkten Zugang und eine gute Intuition für eigene und fremde Bedürfnisse. Und, was mindestens genauso wichtig ist: Sie handeln und leben danach.
Was wissen Sie über sich selbst? In welchen Situationen sind Sie glücklich und was müssen Sie tun, damit Sie heute eine solche Situation erleben? Welche Worte tun Ihnen gut und wie oft sprechen Sie genau diese Worte oder bekommen Sie gesagt? Welche Musik macht Sie glücklich und wann haben Sie sie zum letzten Mal gehört? Welche Menschen sind Ihnen sehr angenehm und wann sehen Sie sie wieder? Welche Farbe tut Ihnen gut und haben Sie eigentlich mitbekommen, wer sich neulich in Sie verliebt hat?
Das Wissen über die eigene Person ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Genau deswegen lohnt es sich hin zuschauen, sich selbst zu erkunden und zu fühlen, was genau Sie im Innersten zusammenhält. Eben dieses Wissen und das Handeln danach macht schön. Hundertprozentig schön, mit immer währender Garantie.
Menschen die nach ihren ganz persönlichen Wertvorstellungen und Visionen leben, sind in der Welt fest positioniert. Sie trauen sich etwas, nämlich hin zuschauen, wer sie sind – und danach zu leben. Damit bieten sie automatisch Fläche für Widerstand. Der Wind pfeift auch nur, wenn er irgendwo gegen stößt. Das kann manchmal unbequem sein. Es lohnt sich jedoch immer Widerstand zu leisten gegen Unglücklich-Macher und Zeit-Klauer. Leisten Sie Widerstand und erforschen Sie sich selbst. Tun Sie es einfach – für sich selbst.
Mit Ihrer ganz persönlichen „inneren Ortskenntnis“ sind Sie immer öfter an einem wirklich guten Platz. Nämlich Ihrer eigenen Mitte. Und von dort aus können Sie phantastisch navigieren, besonders und vor allem durch Ihr eigenes Leben. Und das macht immer und unbedingt schön.
Verena Ronnenberg
Heilpraktikerin für Psychotherapie