YOGA –
ein Lebensweg für Menschen von heute
von Ursula Schmitz, Praxis AYUR-YOGA, Aachen
Teil 1
Yoga, das wissen heute viele, hat etwas mit Körperübungen, Atmung und Entspannung zu tun. Und, was eher Wenige wissen, Yoga kann noch viel mehr sein: Eine Lebensphilosophie, ein Lebensweg, ein Instrument, um freier, entspannter und freudvoller leben zu können.
Das Wort „Yoga“ leitet sich vom Sanskrit-Verb „Yuj“ (anschirren, anspannen) ab, das vermutlich auf das lateinische Wort „jugum“ = Joch zurückgeht. Dieses Bild des Jochs, das zwei Zugtiere verbindet, hat verschiedene Ebenen: zum einen den Aspekt des „Anschirrens“, der Disziplin, der Praxis, des Tuns, also des Weges. Zum anderen den Aspekt des Zieles, der Einheit, der Befreiung, der Rückverbindung zu unserer ursprünglichen inneren Natur.
Weg und Ziel werden in verschiedenen, teilweise sehr alten Yogaschriften beschrieben. Eine davon – das „Yogasutra des Patanjali“ – dient vielen Yogaschulen als Grundlage und ist eine der wichtigsten „Wurzeln“ des Yoga. Sutren sind sehr kurze, auf das Wesentliche komprimierte „Kernsätze“. Die Yogasutren wurden ca. 200 v.Chr. in Sanskrit verfasst und im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlich übersetzt und ausgelegt.
Der Verfasser des Yogasutra versucht, wie man heute sagen würde, einen „psychologischen Schlüssel“ zum Verständnis der existenziellen Situation des Menschen zu liefern. Er geht davon aus, daß wir Menschen leiden, weil wir irrtümlicherweise glauben, unser „Ich“ oder „Ego“ sei etwas Reelles, Beständiges. Deshalb identifizieren wir uns ständig mit unseren Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühlen, Sorgen und Ängsten. Wir haben oft ein verzerrtes Bild der Welt, in der wir leben und fühlen uns dadurch schlecht.
Yoga kann ein Weg sein, diesen Zustand zu verändern. Innere Haltungen und Muster, die uns hinderlich sind, können erkannt und abgeschwächt werden. Wir gewinnen Abstand vom „Ich“ und können uns selbst und die Welt, die uns umgibt, klarer erkennen.
Eine Anleitung dazu, was wir praktisch tun können bzw.wie wir uns auf diesen Weg begeben können, findet sich in einem zentralen Teil der Yogasutren, der „8 - blättrigen Blüte des Yoga“. Die Lotosblüte ist ein Symbol für die verschiedenen Fähigkeiten, die der Mensch im Laufe seines Lebens in sich entfaltet. Jedes Blütenblatt beschreibt ein Glied in der Kette, die den Weg des Yoga bildet. Jedes Glied oder Blütenblatt ist in sich vollständig, und gleichzeitig sind sie alle miteinander verbunden wie bei einer Kette und tragen das Ganze.
Die acht Glieder oder Blütenblätter sind:
Yama / Verhalten gegenüber der Umwelt und anderen Menschen
Niyama / Verhalten sich selbst gegenüber
Asana / Körperhaltungen
Pranayama / Atemkontrolle, Ausdehnung des Atems
Pratyahara / Zurückziehen der Sinne von den Objekten
Dharana / Konzentration auf ein Objekt
Dhyana / Vertiefung der Konzentration, Meditation
Samadhi / Versenkung, Einheit, Befreiung
Diese 8 Glieder werden die Grundstruktur für die folgenden Artikel über Yoga bilden. Der nächste wird sich mit den Verhaltensregeln Yama und Niyama beschäftigen, die beschreiben, welche Verhaltensweisen uns selbst und unserer Umwelt gut tun. Eins sei schon verraten: Eine zentrale positive Qualität, die dort beschrieben wird, ist ahimsa, Gewaltlosigkeit ...